zit. aus Zeitschrift für sudetendeutsche Geschichte 2/4, 1938 (30. 12. 1938), redaktionelle Verlautbarung
Das Jahr 1938 ist für alle Deutschen ein Jahr glückverheißender Erfolge geworden, für uns Sudetendeutsche wurde es zu einer Wende von tiefgreifender Bedeutung. Im Frühling führte Adolf Hitler die Österreicher heim ins dritte Reich, der Herbst brachte die Ernte voll ein: 72 Jahre nach dem Ausscheiden der böhmischen Länder aus dem Deutschen Bunde sind die Sudetendeutschen nun unmittelbare Glieder des neuen großdeutschen Reiches geworden.
In den vergangenen zwei Jahrzehnten des Kampfes, in welchem das Sudetendeutschtum mit immer heißerer Heimatliebe an seinem bedrohten Volksboden festhielt, hat die sudetendeutsche Geschichtsforschung mit ihren Mitteln seinen völkischen Selbstbehauptungswillen gestärkt. Verständnis und Interesse für die eigene Geschichte wurden im Sudetendeutschtum immer mehr wach und dieses Wissen um seine in die Tiefen der Vergangenheit zurückreichende Geschichte, um sein in jahrhundertelanger Arbeit erworbenes Recht hat ihm das Bewußtsein gegeben, das für einen guten Kampf so nötig ist, das Bewußtsein, eine gerechte und heilige Sache zu vertreten.
Der wunderbare, auf friedlichem Wege vollzogene Umschwung des Herbstes 1938 hat dem Sudetendeutschtum ein weites Tor in eine große deutsche Zukunft geöffnet. Aber über dem Heute und Morgen soll auch weiterhin das Gestern, über dem sicher erfaßten Wohin soll das Woher nicht vergessen bleiben. Geblieben ist die Aufgabe, die Geschichte des Volksteiles zu erforschen und darzustellen, der nun, verbunden mit dem gesamtdeutschen Volkskörper, Teil und Glied des großdeutschen Reiches ist. Geblieben ist auch die gleiche Aufgabe für die innerhalb der Tschecho-Slowakischen Republik verbleibende Volksgruppe, die, schon zahlenmäßig immer noch nicht unbeträchtlich, mehr als je des Bewußtseins der Volksverbundenheit, aber auch der gemeinsamen Geschichte bedarf. Geblieben ist schließlich für diese Volksgruppe - doch nicht nur für sie allein - die Aufgabe, geschichtliches Verständnis zu ermitteln und zu vermitteln für das tschechische Volkstum, mit dem sie in einem Raume und Staate lebt, zumal da heute alte Reibungsflächen beseitigt sind und neue Wege von Volk zu Volk gangbar werden.
Diesen so umrissenen Aufgabenkreis will unsere Zeitschrift auch weiterhin betreuen in der Überzeugung, damit dem Volke wie der Wissenschaft zu dienen, und in der festen Zuversicht, hierin der verständnisvollen Anteilnahme der weitesten Kreise sicher zu sein.