Diese neue Art szenischer Diskussionsrunde wurde vom interessierten Publikum aller Generationen begrüßt, so daß die Eintrittskarten inzwischen schon im Vorverkauf ausverkauft werden... Nordwest Zeitung 2008
Drei Oldenburger Historiker bilden das Herzstück des „Historischen Quartetts“: Ernst Hinrichs, Professor für frühneuzeitliche Geschichte und Heinrich Schmidt, Professor em. für mittelalterliche Geschichte von der Carl von Ossietzky Universität, sowie Eva Hahn.
Jeder von ihnen sucht sich unter den Neuerscheinungen ein ihn besonders interessierendes Buch und stellt es bei der Diskussionsveranstaltung vor, aber alle lesen alle Bücher und streiten heftig über ihre Qualitäten – wie es Historiker meist tun. Diesmal handelt es sich jedoch um sachbezogene Debatten vor dem Publikum und nicht nur, wie üblich, gossip auf den Seiten der Fachpresse oder zwischen Tür und Angel der Gelehrtenstuben.
Vor allem laden die drei Oldenburger Historiker jedesmal auch einen Gast: eine Kollegin oder einen Kollegen, die bzw. der gerade ein besonders interessantes Buch veröffentlicht hat. Er oder sie stellen das eigene Buch vor und diskutieren mit darüber sowie über die anderen drei auserwählten Bücher.
Unsere Gäste waren bisher Michael Jeismann, Wlodimierz Borodziej, Brigitte Hamann, Wolfgang J. Mommsen, Johannes Kunisch, Hans-Ulrich Wehler, Jörg Baberowski, Hans Peter Duerr, Johannes Willms, Aleida Assmann, Hans Rudolf Vaget, Wolfgang Pyta, Andreas Kossert und Lothar Gall.
Die bisher besprochenen Bücher:
Brigitte Hamann: Winifred Wagner oder Hitlers Bayreuth (München 2002)
Arnulf Krause: Die Geschichte der Germanen (Frankfurt/M.-New York 2002)
Tomáš Staněk: Verfolgung 1945. Die Stellung der Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien (Wien 2002)
Wlodimierz Borodziej: Der Warschauer Aufstand 1944 (Frankfurt/M. 2001)
Bernard Wasserstein: Jerusalem. Der Kampf um die heilige Stadt (München 2002)
Ian Buruma: Anglomania. Europas englischer Traum (München-Wien 2002)
Robert Gellately: Hingeschaut und Weggesehen. Hitler und sein Volk (Stuttgart 2002)
Michael Jeismann: Auf Wiedersehen gestern. Die deutsche Vergangenheit und die Politik von morgen (Stuttgart-München 2001)
Johannes Laudage: Otto der Große. Eine Biographie (Regensburg 2001)
Wolfgang Kraushaar: 68 als Mythos, Chiffre und Zäsur (Hamburg 2000)
Frances Stonor Saunders: Wer die Zeche zahlt... Der CIA und die Kultur im Kalten Krieg (Berlin 2001)
Wolfgang J. Mommsen: War der Kaiser an allem schuld? Wilhelm II. und die preußisch-deutschen Machteliten (München 2002)
Arnold Esch: Wege nach Rom. Annährungen aus zehn Jahrhunderten (München 2003)
Emmanuel Todd: Weltmacht USA. Ein Nachruf (München 2003)
Ulrich K. Preuß: Krieg, Verbrechen, Blasphemie. Gedanken aus dem alten Europa (Berlin 2003)
Hans-Ulrich Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte 1914-1949 (München 2003)
Jan Rydel: Die polnische Besatzung im Emsland (Osnabrück 2003)
Peter Blickle: Von der Leibeigenschaft zu den Menschenrechten. Eine Geschichte der Freiheit in Deutschland (München 2003)
Jörg Baberowski: Der rote Terror. Die Geschichte des Stalinismus (München 2003)
Jacques Le Goff: Die Geburt Europa im Mittelalter (München 2004)
Michael North: Genuss und Glück des Lebens. Kulturkonsum im Zeitalter der Aufklärung (Köln et al. 2003)
Hans Peter Duerr: Rungholt. Die Suche nach einer versunkenen Stadt (Frankfurt am
Main-Leipzig 2005)
Gottfried Schramm: Fünf Wegscheiden der Weltgeschichte. Ein Vergleich (Göttingen
2004)
Andreas Kossert: Ostpreussen: Geschichte und Mythos (München 2005)
Christian Delacampagne: Die Geschichte der Sklaverei (Düsseldorf 2004)
Mark R. Cohen: Unter Kreuz und Halbmond: Die Juden im Mittelalter
(München 2005)
Johannes Willms: Napoleon. Eine Biographie (München 2005)
Wolfgang Schuller: Kleopatra. Königin drei Kulturen. Eine Biographie
(Reinbek bei Hamburg 2006)
Stefan Weinfurter: Canossa. Die Entzauberung der Welt (München 2006)
Aleida Assmann: Der lange Schatten der Vergangenheit: Erinnerungskultur
und Geschichtspolitik (München 2006)
Gerd Koenen: Der Russland-Komplex. Die Deutschen und der Osten 1900-1945
(München 2005)
Hans Rudolf Vaget: Seelenzauber. Thomas Mann und die Musik (Frankfurt am
Main 2006)
Ortrud Reber: Elisabeth von Thüringen. Landgräfin und Heilige. Eine
Biografie (Regensburg 2006)
Johannes Fried: Zu Gast im Mittelalter (München 2007)
Heinrich August Winkler: Auf ewig in Hitlers Schatten? Über die Deutschen
und ihre Geschichte (München 2007)
Wolfram Pyta: Hindenburg. Herrschaft zwischen Hohenzollern und Hitler
(München 2007)
Hans Magnus Enzensberger: Hammerstein oder Der Eigensinn. Eine deutsche
Geschichte (Frankfurt am Main 2008)
Hans Jansen: Mohammed. Eine Biographie (München 2008)
Joachim Ehlers: Heinrich der Löwe. Eine Biographie (München 2008)
Reinhard Wolters: Die Schlacht im Teutoburger Wald. Arminius, Varus und
das römische Germanien (Münchem 2008)
Gustav Seibt: Goethe und Napoleon. Eine historische Begegnung (München
2008)
Andreas Kossert: Kalte Heimat. Die Geschichte der deutschen Vertriebenen
nach 1945 (München 2008)
Lothar Gall: Walther Rathenau.
Portrait einer Epoche (München 2009)
Am 4. April 2009 starb Ernst Hinrichs. Bei der letzten von ihm mitvorbereiteten Veranstaltung am 23. Mai 2009 haben die beiden Quartett-Mitglieder Eva Hahn und Heinrich Schmidt zusammen mit ihrem Gast Herrn Professor Dr. Lothar Gall einen Teil des Abends der Würdigung des Lebenswerkes von Ernst Hinrichs gewidmet. Es war die letzte Veranstaltung des Historischen Quartetts in der bisherigen Form.
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Bericht der Nordwest-Zeitung vom 2.12.2004: hier klicken
Aus der Nordwest-Zeitung, 25. November 2003:
2000 Seiten Geschichte in zwei Stunden
DISKUSSION Historisches Quartett stellt im Oldenburger Kunstverein Bücher vor
OLDENBURG/KUT - Das „Historische Quartett“ ist zu einer Institution geworden. Das zeigt der Publikumsandrang bei der bislang fünften Zusammenkunft der Expertenrunde – die Stuhlreihen im Oldenburger Kunstverein sind alle besetzt. Dabei ist das, was auf dem Programm steht, wahrlich kein leichter Stoff. Nun, es kommt ja auch immer darauf an, wie man Inhalte verkauft.
„Was der in der Schweiz für das 14. Jahrhundert entdeckt, war hier bereits zu Ende“, urteilt Heinrich Schmidt über Peter Blickles „Von der Leibeigenschaft zu den Menschenrechten“. Solche markigen Sprüche mit regionalem Bezug kommen an. Auch Schmidts Resümee, das Buch sei nicht ganz so schlecht, wie sie es eben in der Diskussion gemacht hätten, ist für einige Lacher gut.
Weniger humorvoll geht es zu, als sich das Gespräch dem Werk des Gastes Hans-Ulrich Wehler zuwendet. Der hat eben den vierten Band seiner Deutschen Gesellschaftsgeschichte vorgelegt. Es geht um die Jahre 1914–1949. An seine Beschreibung Hitlers als Charismatiker, als Wundertäter, entzündet sich ein hitziger Meinungsaustausch. Daneben stößt sich Eva Hahn an der Bewertung des kommunistischen Widerstand. „Sie mögen die Linken nicht“, hält sie dem Autor in ihrer erfrischend angriffslustigen Art entgegen. Der bestätigt ihren Vorwurf: „Ich halte nichts vom kommunistischen Wiederstand. Die kämpften doch für ihre eigene totalitaristische Utopie.“ Das Kopfschütteln unter den Zuhörern ist groß. Doch Ernst Hinrichs bittet bereits zum nächsten Buch: Jan Rydels „Die polnische Besatzung im Emsland 1945–1948“. Trotz des Bemühens, die Redebeiträge zeitlich zu begrenzen, trotz der Beschränkung auf drei Neuerscheinungen – am Ende sind satt!
Beinahe zwei Stunden vorbei, 2000 Seiten historischer Literatur besprochen. Die Neugier auf die Beschäftigung mit der Geschichte jedenfalls ist einmal mehr geweckt.