Das Wort „Aussig“, die deutsche Bezeichnung der nordwestböhmischen Stadt Ústí nad Labem, symbolisiert mehrere unterschiedliche Erinnerungen.
In Aussig hat schon am 20. Oktober 1918 die „Deutsche national-sozialistische Arbeiterpartei“ einen Aufruf „An das deutsche Volk in Böhmen!“ veröffentlicht, der „die wirtschaftliche und völkische Not der Deutschen in unserem Lande“ beklagte. Das war acht Tage vor der Gründung der Tschechoslowakischen Republik, und die später als „Hakenkreuzler“ bekannten Aussiger erhoben darin schon damals, noch als Staatsbürger der altehrwürdigen Habsburger Monarchie, Klagen und Forderungen, die sie später in der Tschechoslowakei nur wiederholten. Schon am 20. Oktober 1918 riefen sie dazu auf, den Staat, dessen Bürger sie waren, zu zerschlagen.
Aussiger Aufruf zur Zerschlagung der Habsburger Monarchie
Nach der Gründung der Tschechoslowakischen Republik galt Aussig als eine der Hochburgen der „Hakenkreuzler“ und trug mit dazu bei, daß die 1933 gegründete und von der großen Mehrheit der Deutschen in der Tschechoslowakei gewählte Sudetendeutsche Partei zum Symbol Hitlers Fünften Kolonne wurde.
„Aussig“ als tschechisches Symbol
Während der deutschen Besatzung zeigten viele Aussiger kein Mitleid mit ihren tschechischen Nachbarn, geradezu im Gegenteil.
Über die Lebensverhältnisse in Aussig 1942
Als der Zweite Weltkrieg zu Ende war und es allgemein bekannt wurde, daß die deutsche Bevölkerung die Tschechoslowakei verlassen sollte, kam es am 31. Juli 1945 in Aussig zu einem schlimmen Massaker an deutschen Zivilisten. Dieses „eineinhalb bis zwei Stunden“ dauernde Ereignis, während dessen rund 100 Deutsche ermordet wurden, ist zu einem der bekanntesten Symbole im deutschen Erinnern an die Vertreibung geworden.